Rock'n'Pray 2013
Geistliches Crossover-Konzert in Hamburg

Leitidee


Musik der Generationen

Es ist kein Zufall, dass der musikalische Begriff Genre und der gesellschaftliche Begriff Generation ihren Wortstamm im selben lateinischen Ursprungswort haben. Schließlich finden wir bis heute relativ weit verbreitete Zuordnungsmuster von Alter und Musikgeschmack und das trotz so mancher 20jähriger Andrea Berg-Fans, 14jähriger Orchestermusiker oder 70jähriger Stones-Fans.

Crossover-Musik und Crossover-Konzerte schlagen Brücken - nicht nur zwischen Genres, sondern auch zwischen Generationen. Deshalb ist Rock'n'Pray eine Veranstaltung für alle, ob jung oder alt, groß oder klein, was sich auch in den ausführenden Ensembles widerspiegelt: Die Camerata Bergedorf ist ein kleiner, vorwiegend auf Barock- und Renaissance-Musik ausgerichteter, weltlicher Kammerchor aus Bergedorf, der Chor St. Michael Schwarzenbek ist ein gemischter Chor, der üblicherweise die liturgischen Feiern in der katholischen Kirche St. Michael in Schwarzenbek mitgestaltet. Beide Ensembles haben unter ihrem Leiter Wolfhard Lippke bereits Erfahrungen auf popmusikalischem Territorium gemacht. Jong Vocaal Groningen unter der Leitung von Nanny ter Wiel ist ein kleiner Jugendchor, der über viele Jahre in nahezu unveränderter Besetzung aus einem Kinderchor erwachsen geworden ist und klassische Chormusik aller Stile und Facetten im Repertoire hat. Alle drei Ensembles vereinen sich zu einem großen Chor, der von halb- und vollprofessionellen Instrumentalisten begleitet wird und Rock 'n'Pray einen besonderen Klang verleiht.


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Musik der Epochen

Als Crossover-Konzert möchte Rock'n'Pray musikalische Welten miteinander in Berührung bringen. Blickt man auf die nun 2000jährige Geschichte des Christentums zurück, so könnten keine zwei Welten weiter voneinander entfernt sein als die ursprüngliche Musik der Kirche, der Gregorianische Choral, und die heutige Musik vieler (junger) Menschen: Popmusik. Tatsächlich stellen Gregorianischer Choral und aktuelle christliche Pop-Musik (man denke nicht nur an das kirchentypische Neue Geistliche Lied, was durch Größen wie Peter Janssens und Alois Albrecht, in neuerer Zeit auch durch Namen wie Gregor Linßen, Thomas Quast, Norbert Becker u.v.m. repräsentiert wird, sondern auch an Chartstürmer wie Xavier Naidoo, U2 oder Silbermond) auf den ersten Blick zwei miteinander völlig unvereinbare Genres geistlicher Musik dar, da sie auch musikalisch verschiedener nicht sein könnten. Dennoch haben sie als grundlegendes Element eine tiefe Spiritualität gemeinsam, die musikalisch zwar auf sehr unterschiedliche Weise zum Ausdruck kommt, jedoch das verbindende Moment für das gemeinsame Erklingen in ein und demselben Konzert darstellt.

Daher wird versucht, auf mehrerlei Weise beide Musiken miteinander in Berührung zu bringen, z.B. indem Pop-Musik (am stellvertretenden Beispiel von HipHop) mit Gregorianik kombiniert wird. Höhepunkt und Inhalt des zweiten Konzertteils ist die Uraufführung der Missa für Chor, Orchester und Rockband von Wolfhard Lippke, welche durch die Verbindung von altehrwürdigem Latein und klassischen Kompositionsformen mit Popmusik die Synthese der musikalischen Welten sein möchte.


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Musik des Glaubens

Viele Menschen sehen einen Widerspruch zwischen Pop-Musik und Religiosität, insbesondere was die Gottesdienste angeht. Rock'n'Pray möchte dem hier verborgenen Irrtum abhelfen und beruft sich dabei auf das nunmehr vor einem halben Jahrhundert stattgefundene II. Vatikanische Konzil und seine Aussagen zur Liturgie bzw. zur Musik (Auszüge):

112. Die überlieferte Musik der Gesamtkirche stellt einen Reichtum von unschätzbarem Wert dar, ausgezeichnet unter allen übrigen künstlerischen Ausdrucksformen vor allem deshalb, weil sie als der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang einen notwendigen und integrierenden Bestandteil der feierlichen Liturgie ausmacht. [...] So wird denn die Kirchenmusik um so heiliger sein, je enger sie mit der liturgischen Handlung verbunden ist, sei es, dass sie das Gebet inniger zum Ausdruck bringt oder die Einmütigkeit fördert, sei es, dass sie die heiligen Riten mit größerer Feierlichkeit umgibt.[...]

114. Der Schatz der Kirchenmusik möge mit größter Sorge bewahrt und gepflegt werden. Die Sängerchöre sollen nachdrücklich gefördert werden, besonders an den Kathedralkirchen. [...]

116. Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäss soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen. Andere Arten der Kirchenmusik, besonders die Mehrstimmigkeit, werden für die Feier der Liturgie keineswegs ausgeschlossen, wenn sie dem Geist der Liturgie im Sinne von Art. 30 entsprechen. [...]

119. Da die Völker mancher Länder, besonders in der Mission, eine eigene Musiküberlieferung besitzen, die in ihrem religiösen und sozialen Leben große Bedeutung hat, soll dieser Musik gebührende Wertschätzung entgegengebracht und angemessener Raum gewährt werden, und zwar sowohl bei der Formung des religiösen Sinnes dieser Völker als auch bei der Anpassung der Liturgie an ihre Eigenart, im Sinne von Art. 39 und 40. Deshalb soll bei der musikalischen Ausbildung der Missionare sorgfältig darauf geachtet werden, daß sie im Rahmen des Möglichen imstande sind, die überlieferte Musik der betreffenden Völker sowohl in den Schulen als auch im Gottesdienst zu fördern. [...]

121. Die Kirchenmusiker mögen, von christlichem Geist erfüllt, sich bewusst sein, dass es ihre Berufung ist, die Kirchenmusik zu pflegen und deren Schatz zu mehren. [...]

Ganz eindeutig liegt in diesen letzten Ausführungen die Aufforderung, vorhandenes zu bewahren und zu pflegen, jedoch auch neues zu schaffen, soweit dies der liturgischen Feier zuträglich ist. Pop-Musik, insbesondere das im Rahmen von Rock'n'Pray uraufgeführte Werk, erfüllt nach theologischen und künstlerischen Aspekten ebendiese Bedingung. Insgesamt wird die Wichtigkeit der Musik, vor allem der gesungenen Musik herausgestellt, da sie Wort auf ihre Weise ausdeutet und somit für die Gläubigen umso besser erfahrbar macht. Auch in diesem Sinne steht nicht nur die Missa , welche stets den liturgischen Text musikalisch ausdeutet, auf dem Boden der vatikanischen Vorgaben. Besonderes Augenmerk ist auf den Artikel 119 der Liturgiekonstitution zu lenken, welcher hier noch mit Artikel 36, der die lateinische Sprache als die Hauptsprache der Liturgie vorgibt, jedoch die Muttersprache der Gläubigen erlaubt, verbunden werden soll: Seit Jahren erleben wir in Mitteleuropa einen Rückgang der Gottesdienstbesucherzahlen, der sich dramatisch mit sinkendem Alter zuspitzt. Vielerorts sieht man über Wochen kaum oder nur vereinzelt jugendliche und junge Menschen in den Kirchen. In diesem Sinne kann also auch von Mitteleuropa und Deutschland als Missonsgegend gesprochen werden. Für jugendliche bzw. junge Menschen und auch inzwischen für eine Vielzahl erwachsener Menschen aller Altersgruppen ist Pop-Musik, wenn man Musik als auch Sprache versteht, eine Muttersprache, die also sehr wohl im Gottesdienst erlaubt und zugelassen ist. Darüber hinaus hat sie für die genannten Gruppen tatsächlich eine so hohe Bedeutung in ihrem sozialen und teilweise religiösen Leben (man denke beispielsweise an die Scharen, die zu Konzerten eines Xavier Naidoo förmlich hinpilgern), dass sie im Sinne von Art. 119 unbedingt einer gebührenden Wertschätzung und eines gewährten angemessenen Raumes in der Ausformung der Liturgie bedarf. Für die Missa ist die Verwendung der lateinischen Sprache im Sinne des Vatikanums obligatorisch.

Auch wenn oder gerade weil Rock'n'Pray keine liturgische Feier, kein Gottesdienst ist, kann in diesem Konzert erfahrbar gemacht werden, welche musikalische und spirituelle Kraft von Popmusik, die nach den vatikanischen Ausführungen im besten Sinne des Wortes Kirchenmusik ist, ausgehen kann. Die Missa trägt hierzu in besonderer Weise bei, da ihre kompositorische Gestalt darauf ausgelegt ist, den liturgischen Text in angemessener, verdeutlichender Weise darzustellen, so dass er sich dem intuitiven, von Pop-Musik geprägtem Hörer ebenso erschließt wie dem intellektuellen, von klassischer konstruierter Musik geprägtem Hörer und erst recht dem kontemplativ-meditativen Hörer. So kann die Musik auf alle Menschen im Konzert (und künftig auch im Gottesdienst) einen positiven spirituellen Impuls aussenden und die Teilhabe des Hörenden am Geschehen fördern.


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